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Tischkultur wild & grün
Achtsam Essen
Gastlichkeit

Achtsam essen macht glücklich und zufrieden

Unsere Zeit ist geprägt von „Ernährungssünden“, Ratgebern für gesunde Ernährung, Warnmeldungen zu „giftigen“ Nahrungsmitteln und ausgeklügelten Diäten oder Powerfoodprogrammen. Fast täglich sind wir damit beschäftigt, unsere Nahrungsaufnahme regelrecht zu „managen“. Für die Arbeit wird entweder am Vortag bereits ein ausgeklügeltes Lunchpaket geschnürt oder in der Kantine zum schnellen Mittagsangebot gegriffen. Frühstück wird häufig aus Zeitmangel übergangen, der Hunger zwischendurch unterdrückt und am Abend siegt der Heißhunger.

Essen aus Liebe zum Leben

Obwohl diese Beschreibung zur Übertreibung neigt, so weist der Trend dennoch wiederholt in dieses Richtung. Führt man sich vor Augen, dass die Aufnahme von Nahrung die Basis für unsere Lebensenergie darstellt, so ist es doch schade, dass wir oft „achtlos“ mit ihr umgehen. Manchmal kostet es den Menschen schon fast Mühe sich zu ernähren, anstatt das Essen mit Freude und Genuss wahrzunehmen. Wir alle müssen essen um zu überleben. Die Philosophie vom achtsamen Essen greift diese Thematik sehr liebevoll auf und unterstützt mit vielen Praxistipps den Weg zurück in ein „normales“ Essverhalten. Essen ohne Reue, Scham und vor allem Regeln. Unser Körper kennt seine Bedürfnisse sehr gut und meldet sich auch dementsprechend deutlich. Achtsames Essen bedeutet, diesen Signalen wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken und damit Glück, Zufriedenheit, Dankbarkeit und vor allem Freiheit beim Essen zu empfinden. Indem wir achtsam aus dem  Nahrungsangebot auswählen, essen und diese Tätigkeit auch noch wertschätzen, übernehmen wir auch Verantwortung für uns selbst. Viele, die dem Essen wieder mehr Achtsamkeit geschenkt haben, berichten auch von einer Steigerung der eigenen Wertschätzung, der Lebensfreude und des Selbstvertrauens. Übrigens ist der Verlust von Gewicht durch achtsames Essen häufig eine willkommene Begleiterscheinung.

Achtsam essen oder die Kunst des Genießens

Was bedeutet denn nun achtsames Essen? Die „Achtsamkeit“ als Geisteshaltung stammt aus dem Buddhismus und kann vereinfacht als „bewusstes Leben“ beschrieben werden. Als Lebensphilosphie in den hektischen Industrieländern findet sie seit Jahren immer mehr Zuspruch. Achtsames Essen ist eine spezielle Form der Achtsamkeit und widmet der Nahrungsaufnahme bzw. dem Essen eine besondere Form der Aufmerksamkeit. Losgelöst vom Kalorien zählen, manipulativen Speiseangeboten, Gesundheitsversprechen und den ewigen Do’s and dont’s. Es geht einzig und allein darum, mal wieder auf sein Bauchgefühl zu hören. Den Hunger, den Vorgang der Nahrungsaufnahme sowie die  Lebensmitteln mit einer offenen, neugierigen aber auch wertfreien Haltung anzunehmen. Klingt das nicht wundervoll? Essen was und wann man möchte. Die Natur hat uns genügend und vor allem eine reichhaltige Auswahl an Nahrungsmitteln zur Verfügung gestellt. In der Regel weiß unser Körper sehr genau, was er gerade benötigt. Dieses Grundbedürfnis ist uns angeboren. Menschen, die sich mit Achtsamkeit dem Essen widmen, leiden meist nicht an Übergewicht, haben dem Essen gegenüber eine positive Grundhaltung, thematisieren das Was und Wo meist nur bei Hunger und empfinden ein gesundes Sättigungsgefühl. Mit dem Erwachsenwerden ist vielen das „normale“, instinktive Essverhalten abhanden gekommen. Kein Grund zu verzweifeln. Der erste Schritt beginnt mit dem „Beobachten“ von uns selbst, unserem Körper und unserem Essverhalten. Völlig wertfrei. Verschiedene Fragen helfen dabei, wie beispielsweise: Wie fühlt sich das Essen gerade für mich an? Mag ich die Konsistenz, die Temperatur, den Geschmack? Kaue ich fertig oder schiebe ich schon automatisch nach? Habe ich wirklich Hunger oder nur Appetit? Wie empfinde ich Essen in Ruhe und beim Sitzen? Welches Essen schmeckt mir wirklich? Warum esse ich in dieser Situation?

Erfahrungsgemäß ändert sich alleine schon durch neue Wahrnehmung etwas. Man isst weniger hektisch oder greift plötzlich doch zu einer ausgiebigen Mahlzeit anstatt zu einer schnellen Suppe, weil man den ganzen Tag noch nichts gegessen hat und richtig Hunger verspürt. Veränderungen stellen sich schnell ein, machen glücklich und viel Lust auf mehr. Und plötzlich ist sie wieder da: Die Welt des Genießens mit ihrer spürbaren Sinnlichkeit, die man dann auch gerne wieder mit Gästen oder Freunden am Tisch teilt, Hmmmm….

Es gibt verschiedene, tolle Bücher zum Thema „Achtsames Essen“ oder „Mindful Eating“ mit vielen praktischen Tipps für den Einstieg oder die hohe Kunst des genussvollen Essens.

Mein Tipp: Jan Chozen Bays „Achtsam Essen“, Arbor-Verlag, 2009

 

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